Catcalling, Objektifizierung & sexualisierte Gewalt - Tabu Thema Sexismus wird an der Schule diskutiert

Der Mann schaut Fußball mit einem Bier in der Hand, während die Frau im Hintergrund den Haushalt schmeißt. Da er als starker Teil der Partnerschaft Dinge, wie Kochen, selbstverständlich nicht übernimmt, weil er es auch einfach nicht kann, ist es super, dass seine hingebungsvolle Partnerin so fürsorglich ist, dass sie sich der Aufgabe annimmt.

Stereotypen, Vorurteile, Klischees. Hiervon gibt es eine ganze Menge. Sie begegnen uns überall im Alltag, unterschiedlichste Themenbereiche betreffend, und eben auch im Zusammenhang mit den Geschlechtern. Diese Geschlechterstereotypen und andere Probleme, die im Bereich Sexismus zu verorten sind, waren Anlass für mehrere engagierte Mitglieder der SMV, Aufklärungsvorträge in den 10. Klassen über das Thema zu halten. Da diese Vorträge zum Großteil gut angenommen wurden und das Thema eine hohe Relevanz hat, hier eine kleine Zusammenfassung für all diejenigen, die noch nicht in den Genuss gekommen sind.

Durch eine Sammlung geschlechtsspezifischer Klischees zu Beginn der Präsentation entstand die zugegebenermaßen sehr kontroverse Einleitung dieses Artikels. Die Referentinnen wollten dadurch als ersten großen Punkt des Vortrags die unbewusste Reproduktion von Geschlechterstereotypen im Alltag aufzeigen. Diese haben ihren Ursprung in Kindheit, Erziehung und gesellschaftlichem Umgang. Dadurch entstehen im Alltag Probleme wie die Benachteiligung von Frauen, beispielsweise im beruflichen Kontext, und Vorurteile gegenüber Männern. Hierfür lässt sich anführen, dass verhältnismäßig wenig Männer z.B. als Kindergärtner/ Erzieher tätig sind, da man ihnen den verantwortungsvollen Umgang mit Kindern oft schlichtweg nicht zutraut.
Wer anfängt, sich mit Sexismus zu beschäftigen, stößt früher oder später auf den Begriff „Objektifizierung“. Also ein weiterer wichtiger Inhaltspunkt das Thema betreffend, und der zweite große Abschnitt der Präsentation. Den Referentinnen zufolge handelt es sich bei der sogenannten Objektifizierung um die „Entmenschlichung von Personen“, welche meist im sexuellen Kontext auftritt. Dies ist häufig in Werbungen zu finden, frei nach dem Motto, „Sex(ism) sells“. Hier werden oftmals spärlich bekleidete Frauen zusammen mit Gegenständen, wie beispielweise einem Motorrad abgebildet, nur um beim Betrachter einen besseren Erinnerungseffekt der Werbung hervorzurufen, obwohl keinerlei Bezug zwischen der nahezu nackten Frau und dem Motorrad hergestellt werden kann. Weitere Punkte der Sexualisierung sind auch die Hypersexualisierung von Heranwachsenden und sexuelle Stereotypen von Minderheiten, beispielsweise bezügliche Schwarzen und Personen aus dem asiatischen Raum. Ebenso die Erzeugung eines Bildes der sexuellen Verfügbarkeit von Frauen für Männer, sowie das Bild vom Mann als allgemeiner Täter und nicht als mögliches Opfer.
Im dritten Schwerpunkt des Vortrages wurde das Thema der sexuellen Belästigung behandelt. Diese wird als einseitig unerwünschte Verhaltensweise mit sexuellem Kontext, die die Würde des Menschen verletzt, definiert. Hierbei wurde vor allem auf das sogenannte Catcalling eingegangen. Damit gemeint ist eine Form der verbalen sexuellen Belästigung, welche oft durch anzügliches Hinterherrufen, Pfeifen oder sonstige Laute, hauptsächlich durch Männer gegenüber Frauen, auftritt. Abschließend gab es Workshops, sowie eine Feedbackrunde an die Referentinnen. Als Ergebnis dieser kam heraus, dass nahezu alle das Thema für sehr wichtig empfinden und den Vortrag als nützlich wahrgenommen haben.

Wünschenswert wäre natürlich, dass mithilfe der nun öfter geplanten Vorträge und der damit verbundenen Aufklärungsarbeit die Probleme im Zusammenhang mit Sexismus zumindest an unserer Schule abnehmen und schließlich verschwinden. Dieser Artikel dient nicht zur Überzeugung oder Meinungsäußerung, sondern soll lediglich informativ und aufklärend sein.

Franziska Haslbeck, Maya Wengert, Q11